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Neuigkeiten
11.12.2017, 00:00 Uhr
Winckelmann, Aufklärer in Sachen Antike
Ich finde den Artikel von Sebastian Fischer, dpa (KORR-Bericht - zum 9. Dezember 2017 - Wiederholung vom 3.12.2017) sehr lesenswert und stelle ihn deshalb hier auf meine Website:
Von Sebastian Fischer, dpa

Ein Stendaler Schustersohn prägt bis heute den Blick der Deutschen auf die Antike. Vor 300 Jahren wird Winckelmann geboren. Er gelangt bis in die Spitze der Geisteswelt, dann endet sein Leben mysteriös.

Es nimmt ein mörderisches Ende mit einem der

berühmtesten Gelehrten des 18. Jahrhunderts: Im Juni 1768 stirbt 
Johann Joachim Winckelmann in einem kleinen Gasthaus im italienischen 
Triest- erdolcht im Alter von 50 Jahren. Die genauen Hintergründe?

Nie geklärt. Als inkognito Reisender soll er einem Raubmord wegen

einiger wertvoller Medaillen zum Opfer gefallen sein.
Eine andere Version: Der Täter könnte ein homosexuelles Motiv gehabt haben.

 

Am Samstag (9. Dezember) vor genau 300 Jahren erblickt Winckelmann

als Sohn eines Stendaler Schuhmachers das Licht der Welt.
Sein Werdegang ist so grandios, dass am Ende die gesamte deutsche 
Geisteswelt über seinen Tod schockiert ist. Selbst sein
Gegenspieler Lessing hätte gern mehrere Jahre des eigenen Lebens
an Winckelmann abgegeben. Herder wünschte, «mancher Literat und
Altertumskenner hätte statt seiner nicht bloß sterben können,
sondern auch vielleicht sterben sollen». Und Goethe erklärte
später das 18. Jahrhundert zum Winckelmann-Jahrhundert.

 

Winckelmanns lebenslanger Drang, sich mit der Antike zu beschäftigen,

befreit ihn aus der kleinen Werkstatt. Sein Vater hätte gern einen

Schuster aus ihm gemacht, doch gibt er früh den Bitten des strebsamen

und talentierten Jungen nach: Er schickt ihn auf eine Lateinschule

mit Griechischunterricht. Winckelmann wird durch Fleiß und Bildung zu

einem Intellektuellen ersten Ranges.

 

Für mächtig Furore sorgt er bereits als junger Mann 1755 in Dresden,

wo seinerzeit imposante Bauten wie der Zwinger oder die Frauenkirche

aus dem Boden wachsen. Aus dem Geist der Aufklärung heraus erklärt er

in seinem Aufsatz «Gedanken über die Nachahmung der griechischen

Werke in der Malerei und Bildhauerkunst» die griechischen Statuen zum

höchsten Ideal der Kunst. Damit hebt sich Winckelmann erstmals von

französischen und italienischen Zeitgenossen ab, die ihren

Klassizismus großteils auf die römische Antike beziehen.

 

Auch formuliert er die Formel, die später zu Schlagwörtern der

Weimarer Klassik um Goethe, Schiller, Herder und Co werden soll:

Skulpturen (wie etwa der Laokoon-Gruppe) liege «eine edle Einfalt»

inne - was damals soviel wie geistliche Reinheit bedeutet - «und eine

stille Größe». Es ist eine strikte Abgrenzung zu Verspieltheiten aus

Rokoko und Barock. Zudem geht die mittlerweile widerlegte Annahme,

dass antike Statuen nur weiß gewesen wären, auf Winckelmann zurück.

Damit erreicht er eine epochale Wirkung über seine Gegenwart hinaus.

 

Später geht er nach Rom. Mit der Vatikanischen Bibliothek und den

antiken Stätten in Pompeji und Herculaneum findet er einen immensen

Reichtum an Quellen vor - sowohl literarisch als auch archäologisch.

Er macht sich an die Arbeit für seine berühmteste und wichtigste

Schrift, der «Geschichte der Kunst des Altertums» von 1764.

Grundlegend verändert er die Herangehensweise an Archäologie und

Bildende Kunst, indem er der erste ist, der am Beispiel antiker Werke

Architektur und Kunst als stilistische Entwicklung in Epochen

betrachtet - also mit Vorstufen, Höhepunkt und Verfall.

 

Weit über Deutschland und Italien hinaus macht sich der Gelehrte als

Verantwortlicher für die antiken Schätze im Vatikan einen Namen. Als

Präfekt der Altertümer in Rom hat er nicht nur ein Auge auf die noch

heute prächtigsten Sammlungen griechisch-römischer Werke, sondern

auch auf die großen Bauten wie das Pantheon und das Kolosseum.

Winckelmann wird in namhafte Gesellschaften aufgenommen, wie die

Londoner Society of Antiquaries und die Göttinger Akademie.

 

Auf seiner letzten Reise, die zum Ziel hat, langfristig nach

Deutschland zurückzukehren, gelangt er ins Triester Gasthaus. Sein

Mörder soll später im Verhör angegeben haben, im Reisegepäck des

Opfers sei ein Buch «in einer seltsamen Sprache» gewesen. Es war

Homer, der große Grieche. Bis zum Tod an Winckelmanns Seite."